Vorhofflimmern, Ablationsmethode

Vorhofflimmern: Neue Ablationsmethode mit elektrischen Impulsen

Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

PFA verkürzt Eingriffe und schont Gewebe, doch Studien zeigen offene Fragen zur Lebensqualität und rücken die Vorhofflimmer-Last stärker in den Fokus.

Pulsed Field Ablation: Neue Daten zu Vorhofflimmern und Monitoring
Ein steriler, moderner Operationssaal mit medizinischer Ausstattung in einer Klinik. Illustration mit AI erstellt.

Vorhofflimmern gilt als die häufigste Herzrhythmusstörung in der Schweiz und betrifft Hunderttausende Menschen. Mit der Pulsed Field Ablation (PFA) steht ein vergleichsweise neues Verfahren zur Verfügung, das nach Angaben von Seniorweb elektrische Impulse statt Hitze oder Kälte nutzt, um fehlleitende Zellen im Herzgewebe zu veröden.

Das Verfahren gilt als gezielter und schneller als klassische Ablationsmethoden und wird vor allem bei anfallartigem oder frühem dauerhaftem Vorhofflimmern eingesetzt.

Wie die Methode funktioniert

Der zentrale Unterschied zu herkömmlichen Verfahren liegt laut Seniorweb im geringeren Risiko für umliegendes Gewebe. Während klassische Ablationstechniken mit Hitze oder Kälte arbeiten und dabei auch benachbarte Strukturen schädigen können, setzt PFA auf elektrische Felder, die selektiv auf Herzmuskelzellen wirken.

Klinische Berichte aus China stützen diesen Befund: Am Volkskrankenhaus der Stadt Shiyan wird die Technologie als selektiv für Herzmuskelzellen beschrieben, wobei eine einzelne Entladung nur 2 bis 3 Sekunden dauert und nahezu kein thermisches Verletzungsrisiko birgt.

Praxisberichte aus verschiedenen Kliniken

Wie stark das Verfahren bereits im klinischen Alltag verankert ist, zeigen mehrere aktuelle Fallberichte. Am Volkskrankenhaus Shiyan wurde mittels PFA erfolgreich ein Patient mit persistierendem Vorhofflimmern und Herzinsuffizienz behandelt, dessen linker Vorhofdurchmesser 63 mm betrug – ein anspruchsvoller Fall. Nach dem Eingriff stellte sich ein Sinusrhythmus ein, die Herzfunktion verbesserte sich, und der Patient konnte entlassen werden.

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Auch am Ersten Krankenhaus der Stadt Handan wurde ein komplexer Eingriff dokumentiert: Ein Team um Chen Huixiao von der Abteilung Kardiologie 4 führte eine kombinierte Ein-Zeit-Operation durch, bei der Vorhofflimmern-Ablation und ein Verschluss des linken Vorhofohrs unter ICE-Führung zusammengelegt wurden. Dabei kamen sowohl Pulsed Field Ablation als auch Radiofrequenzablation zum Einsatz. Auch hier stellte sich postoperativ ein Sinusrhythmus ein, der Patient wurde entlassen.

In Italien berichtete die Kardiologie in Conegliano unter Leitung von Roberto Mantovan von drei Ablationen innerhalb von zwei Wochen, bei denen neue Katheter zum Einsatz kamen, die Radiofrequenz und Elektroporation kombinieren – darunter ein Fall mit einem Sphere-9-Katheter mit 9-mm-Spitze. Bemerkenswert: Zwei der drei behandelten Fälle betrafen das Wolff-Parkinson-White-Syndrom, das zuvor bereits erfolglos behandelt worden war.

Offene Fragen zur Lebensqualität

Trotz der positiven Praxisberichte bleibt der tatsächliche Nutzen der Katheterablation für Patienten Gegenstand wissenschaftlicher Debatte. Die PVI-SHAM-AF-Studie unter Leitung von Rolf Wachter, vorgestellt beim ESC-Kongress 2026, zeigt zwar eine Reduktion von Vorhofflimmern-Rezidiven durch Katheterablation, konnte jedoch nach sechs Monaten keine signifikante Verbesserung der Lebensqualität im Vergleich zu einer Scheinoperation nachweisen. Die Studie war doppelblind und scheinkontrolliert angelegt.

Neue Messgrößen für den Therapieerfolg

Ebenfalls beim ESC-Kongress 2026 vorgestellt wurde die CIRCA-DOSE-Studie, die den bisherigen Standard zur Erfolgsmessung infrage stellt. Der traditionelle 30-Sekunden-Nachweis für das Ausbleiben von Vorhofflimmern gilt demnach als verzerrend; stattdessen rückt die sogenannte Vorhofflimmer-Last als Kernindikator in den Fokus.

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Ein implantierbarer Herzmonitor (ICM) erkannte bei 53,5 Prozent der Patienten postoperativ weiterhin atriale Arrhythmien – dennoch sank die Rate der Notaufnahmebesuche von 66,7 Prozent auf 25,1 Prozent.

Die Studie zeigt zudem, dass Episoden über einer Stunde Dauer das Risiko für Notaufnahme (relatives Risiko 12,9), Krankenhausaufenthalt (relatives Risiko 8,8) und erneute Ablation (relatives Risiko 27,1) deutlich erhöhen. Liegt die Vorhofflimmer-Last über 5 Prozent, steigen Mortalität und kardiovaskuläre Ereignisse laut den Daten stark an.

Interessant für den Praxisalltag ist ein weiterer Befund der Studie: Eine Apple Watch mit einer täglichen Tragezeit von mehr als 15 Stunden erreichte eine Erkennungssensitivität von 80 Prozent, wobei die Lastschätzung mit den Werten des implantierbaren Monitors zu 0,98 korrelierte.

Tragbare Geräte könnten damit künftig eine Rolle bei der kontinuierlichen Überwachung von Patienten nach einer Ablation spielen – ergänzend zu invasiveren Monitoring-Methoden.

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