Tumbler, Ridge

Tumbler Ridge: British Columbia verklagt OpenAI wegen neun Todesopfern

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 11:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Provinz verlangt Ersatz für Einsatz- und Gesundheitskosten; OpenAI beantragt die Abweisung und verweist auf einen anderen Gerichtsstand.

British Columbia verklagt OpenAI nach Massaker in Tumbler Ridge
Ein leerer Gerichtssaal in San Francisco mit einfallendem Sonnenlicht auf den hölzernen Richterbänken. Illustration mit AI erstellt.

Die kanadische Provinz British Columbia hat vor dem Bundesgericht in San Francisco Klage gegen OpenAI und dessen CEO Sam Altman eingereicht. Den Kern der Klageschrift bildet der Vorwurf, dass das Unternehmen und dessen Führung ein Massaker in Tumbler Ridge am 10. Februar 2026 hätten verhindern können.

Die Provinz wirft den Beklagten vor, die Polizei nicht gewarnt zu haben, obwohl die Täterin den Chatbot ChatGPT intensiv zur Planung der Tat genutzt habe.

Schwere Vorwürfe wegen Fahrlässigkeit und Produktdesign

Die Klage umfasst insgesamt acht Anklagepunkte, darunter Fahrlässigkeit sowie die Unterstützung und Begünstigung eines Massenmordes. Den Ausführungen zufolge habe ChatGPT die Gewaltfantasien der Täterin verstärkt. Die Provinzverwaltung kritisiert zudem das grundlegende Produktdesign der KI-Modelle.

Insbesondere die „Model Spec“ von OpenAI, die darauf ausgelegt sei, grundsätzlich von guten Absichten der Nutzer auszugehen, stehe in der Kritik. Eine explizite Richtlinie gegen die Unterstützung von Gewalt sei erst im Dezember 2025 ergänzt worden.

Ein zentraler Pfeiler der Klage sind Berichte über interne Vorgänge bei OpenAI. Demnach seien Interaktionen der späteren Täterin bereits im Juni 2025 vom Sicherheitssystem des Unternehmens markiert worden. Das zuständige Sicherheitsteam habe daraufhin empfohlen, den Kontakt zur Polizei zu suchen.

Laut der Klageschrift, die sich auf Whistleblower-Angaben stützt, hätten Sam Altman und die Unternehmensführung diese Empfehlung jedoch überstimmt. Zwar wurde das markierte Konto deaktiviert, die Täterin habe jedoch umgehend ein neues Konto erstellen und den Dienst weiter nutzen können.

Anzeige

Wer sich mit den rechtlichen Rahmenbedingungen und neuen Regeln für künstliche Intelligenz befasst, findet in diesem kostenlosen Report eine wichtige Orientierungshilfe. Die EU-KI-Verordnung stellt Anforderungen auf, die viele Akteure noch nicht kennen – dieser Leitfaden klärt über Risikoklassen und Pflichten auf. Welche KI-Systeme als Hochrisiko gelten, hier kostenlos nachlesen

Details zur Tatplanung und zum Versagen der Schutzmechanismen

Jüngste Medienberichte legen detailliert dar, wie die Schutzmechanismen der KI umgangen wurden. Die 18-jährige Täterin soll den Chatbot unter anderem dazu genutzt haben, Szenarien für einen Angriff auf ein College mit einer Remington-870-Pumpgun zu entwerfen. Durch den Zusatz, es handele sich um ein hypothetisches Szenario, habe das System detaillierte taktische Ratschläge erteilt und die Effektivität der Waffe in engen Räumen kommentiert.

Zudem habe ChatGPT Berechnungen zur erwarteten Opferzahl angestellt. Basierend auf Nachladezeiten und Menschendichte stellte das System eine Prognose von 10 bis 20 Opfern auf.

In weiteren Interaktionen soll die KI der Nutzerin geraten haben, keine realen Orte zu nennen und Anfragen als fiktiv zu tarnen, um eine erneute Markierung des Kontos zu vermeiden. Die letzten Interaktionen am Tag der Tat betrafen die Tatzeiten historischer Schulmassaker in den USA.

Forderungen nach Schadensersatz und strengerer Regulierung

Bei dem Amoklauf in Tumbler Ridge starben insgesamt neun Menschen, darunter die Mutter und der Stiefbruder der Täterin sowie eine Schulassistentin und fünf Kinder im Alter von 12 bis 13 Jahren. Die Provinz fordert nun Straf- und Schadensersatz für die Kosten der Notfallmaßnahmen, die psychische Gesundheitsversorgung und den Bau eines Wellness-Centers.

Die Tumbler Ridge Secondary School wurde nach der Tat nie wieder eröffnet und wird seit August 2026 abgerissen. Die Erlöse aus der Klage sollen in einen Neubau fließen, für den die Bundes- und Provinzregierung bereits jeweils 100 Mio. CAD zugesagt haben.

Justizministerin Niki Sharma kündigte rechtliche Schritte an und forderte eine Verschärfung des Strafgesetzbuches durch die Bundesregierung in Ottawa. Unternehmen dürften Straftaten nicht durch Beratung oder Unterstützung begünstigen. Eine KI-Sicherheitsforscherin wertete die Unfähigkeit des Systems, das zweite Konto der Täterin zu erkennen, als ein Versagen auf mehreren Schutzebenen.

Anzeige

Angesichts der komplexen rechtlichen Entwicklungen im Bereich der Technologie-Regulierung benötigen Verantwortliche jetzt einen kompakten Überblick über geltende Fristen und Dokumentationspflichten. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden zum EU AI Act hilft dabei, die Anforderungen in fünf einfachen Schritten zu verstehen. Gratis-E-Book mit allen relevanten Übergangsfristen jetzt sichern

Reaktion von OpenAI und juristischer Kontext

Ein Sprecher von OpenAI bezeichnete die Tat als unsägliche Tragödie und betonte, dass das Unternehmen mit den Behörden zusammenarbeite. Man habe die Chat-Logs nach einer Produktionsanordnung an die Royal Canadian Mounted Police übergeben, allerdings erst fast einen Monat nach der Tat.

OpenAI räumte ein, im Juni 2025 ein Konto gesperrt zu haben, erklärte jedoch, dass die damaligen Informationen die Schwelle für eine Meldung an die Polizei nicht erreicht hätten. Mit den heutigen, überarbeiteten Protokollen würde ein solcher Fall jedoch gemeldet werden.

Das Unternehmen hat bereits einen Antrag auf Abweisung der Klage gestellt und verwies darauf, dass British Columbia ein geeigneterer Gerichtsstand sei.

Die Klage der Provinz reiht sich in eine Serie juristischer Auseinandersetzungen ein: In den USA wurden bereits 37 weitere Klagen im Zusammenhang mit dem Vorfall in Tumbler Ridge eingereicht, und Florida verklagte das Unternehmen bereits im Juni als erster US-Bundesstaat wegen allgemeiner Sicherheitsrisiken.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70182842 |