REM-Schlaf, Studie

REM-Schlaf: Studie verknüpft längere Traumphasen mit geringerem Krankheitsrisiko

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 17:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Langzeitbeobachtung verbindet Schlafphasen und Schlafgewohnheiten mit Erkrankungsrisiken, belegt jedoch keine Ursache-Wirkung-Beziehung.

Studie verknüpft REM-Schlaf mit geringerem Risiko für 83 Erkrankungen
Ein minimalistisch eingerichtetes Schlafzimmer in den frühen Morgenstunden mit weicher Bettwäsche und sanftem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Schlaf gilt längst nicht mehr nur als Erholungsphase, sondern als messbarer Faktor für das langfristige Erkrankungsrisiko. Eine im September 2026 in der Fachzeitschrift PLOS Medicine veröffentlichte Studie von Forschenden der Capital Medical University in China liefert dazu neue, umfangreiche Daten.

Grundlage war eine Auswertung von knapp 100.000 Teilnehmenden der UK Biobank – genau 95.559 Personen mit einem Durchschnittsalter von 56 Jahren. Der Schlaf wurde über sieben Tage per Handgelenk-Bewegungssensor erfasst, anschließend verfolgten die Forschenden die Diagnosen der Teilnehmenden im Mittel über 8,9 Jahre bis April 2024.

Längerer REM-Schlaf mit geringerem Risiko für 83 Erkrankungen verbunden

Das zentrale Ergebnis: Ein längerer Anteil an REM-Schlaf – jener Traumschlafphase, in der Gehirnaktivität und Augenbewegungen zunehmen – war mit einem geringeren Risiko für 83 Erkrankungen aus 12 Krankheitsgruppen verbunden. Dazu zählen unter anderem Herzinsuffizienz, Demenz, Alzheimer und Parkinson.

Wie deutlich sich dieser Zusammenhang niederschlägt, verdeutlicht der Vergleich zwischen dem oberen und dem unteren Viertel der Teilnehmenden nach REM-Schlaf-Dauer: Der Unterschied betrug 47,6 Minuten.

Bei mehr REM-Schlaf lag das Risiko für ein Parkinson-Syndrom rund 80 Prozent niedriger, für Multiple Sklerose etwa 50 Prozent, für Demenz 46 Prozent, für Alzheimer 31 Prozent, für Herzschwäche 26 Prozent, für Vorhofflimmern 17 Prozent und für koronare Herzkrankheit 13 Prozent.

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Auch Tiefschlaf und Schlafdauer spielen eine Rolle

Neben dem REM-Schlaf identifizierten die Forschenden auch den Tiefschlaf als relevanten Faktor. Ein längerer Tiefschlafanteil war mit einem geringeren Risiko für sieben Erkrankungen verbunden, darunter Typ-2-Diabetes, schwere Depression, Schlafapnoe und Parkinson.

Auch die Gesamtdauer des Schlafs zeigte einen klaren Zusammenhang mit der Gesundheit: Sechs bis acht Stunden Schlaf pro Nacht gingen bei den meisten untersuchten Erkrankungen mit dem geringsten Risiko einher – konkret bei 69 von 86 Krankheitsbildern. Wer dagegen weniger als fünf Stunden schlief, zeigte für 37 Krankheiten ein erhöhtes Risiko.

Neben Dauer und Struktur des Schlafs spielte auch dessen Regelmäßigkeit eine Rolle. Unregelmäßiger Schlaf sowie häufiges nächtliches Aufwachen beziehungsweise eine längere Wachzeit nach dem Einschlafen waren mit höheren Risiken für mehrere Erkrankungen verbunden.

Statistische Absicherung und Grenzen der Studie

Um die Aussagekraft der zahlreichen Einzelbefunde abzusichern, wendeten die Forschenden eine sogenannte Bonferroni-Korrektur an – ein statistisches Verfahren, das die Wahrscheinlichkeit zufälliger Scheinzusammenhänge bei einer großen Zahl von Tests reduziert. Nach dieser Korrektur blieben 156 statistisch signifikante Zusammenhänge zwischen einzelnen Schlafparametern und Neuerkrankungen bestehen.

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Die Autoren der Studie weisen jedoch selbst auf die Grenzen ihrer Untersuchung hin: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, die keinen Kausalitätsnachweis liefern kann. Das bedeutet, dass die gefundenen Zusammenhänge nicht zwangsläufig bedeuten, dass schlechter Schlaf Krankheiten verursacht.

Denkbar ist auch der umgekehrte Fall: dass sich beginnende, noch nicht diagnostizierte Erkrankungen bereits auf die Schlafstruktur auswirken, bevor Symptome erkennbar werden.

Einordnung für die Praxis

Trotz dieser methodischen Einschränkung liefert die Datenmenge der Studie – nahezu 100.000 Teilnehmende über einen Beobachtungszeitraum von durchschnittlich fast neun Jahren – einen der umfangreichsten Datensätze zum Zusammenhang zwischen Schlafarchitektur und späteren Erkrankungen.

Besonders die Befunde zu neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson, Demenz und Alzheimer sowie zu Herz-Kreislauf-Leiden dürften angesichts der alternden Bevölkerung in vielen Ländern auf Interesse stoßen.

Für den Alltag lässt sich aus den Ergebnissen ableiten, dass nicht nur die reine Schlafdauer, sondern auch die Zusammensetzung des Schlafs aus REM- und Tiefschlafphasen sowie dessen Regelmäßigkeit eine Rolle für die langfristige Gesundheit spielen könnten. Weitere Forschung wird nötig sein, um zu klären, ob und wie sich diese Schlafparameter gezielt beeinflussen lassen und ob Interventionen tatsächlich das Krankheitsrisiko senken können.

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