Probiotika-Qualität, BAV

Probiotika-Qualität: BAV Institut bestimmt Zellzahlen in maximal 48 Stunden

Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 13:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das neue Verfahren bestimmt probiotische Mikroorganismen binnen 48 Stunden; Forschung untersucht zudem fermentierte Lebensmittel und Darmmikrobiome.

BAV Institut führt schnelle Analyse für probiotische Zellzahlen ein
Nahaufnahme einer Laborschale mit Nährboden zur mikrobiologischen Untersuchung von Bakterienkulturen. Illustration mit AI erstellt.

Für die Qualitätskontrolle probiotischer Produkte hat das BAV Institut eine neue, nicht kultivierungsbasierte Analysemethode zur Bestimmung der Gesamtzellzahl probiotischer Mikroorganismen eingeführt. Das Verfahren ist bereits verfügbar und liefert Analyseergebnisse in maximal 48 Stunden, wie das Portal klamm.de in einem Bericht vom 02.10.2026 darlegt.

Schnellere Zellzahlbestimmung unabhängig von Kultivierbarkeit

Die Methode arbeitet unabhängig von der biologischen Kultivierbarkeit der enthaltenen Bakterien und ermöglicht laut dem Institut eine realitätsnähere Bestimmung der Keimzahlen als klassische Kultivierungsverfahren.

Nach Angaben von Dirk Lorenz, staatlich geprüftem Lebensmittelchemiker und Key Account Manager beim BAV Institut, basiert die Technik auf mikroskopischen Verfahren und fällt deutlich günstiger aus als alternative Ansätze wie die Durchflusszytometrie.

Das Prüfverfahren eignet sich neben Reinkulturen auch für fermentierte Produkte sowie Proben, die einen hohen Anteil an schwer kultivierbaren Mikroorganismen aufweisen. Für Auftraggeber bestehen bei der Einsendung mehrerer Proben Preisvorteile. Die Bereitstellung der Befunde erfolgt digital über das hauseigene Online-Portal myBAV.

Stammgenaue Deklaration und garantierte Haltbarkeit

Die präzise quantitative Erfassung berührt eine zentrale Qualitätsfrage bei mikrobiologischen Präparaten. Wie der Facharzt MUDr. Jan Boženský in einem Bericht von vecerni-praha.cz vom 01.10.2026 erläutert, ist bei der Auswahl eines Probiotikums der konkrete Bakterienstamm wichtiger als die bloße Gesamtzahl der Bakterien auf der Verpackung.

Am Beispiel des Stammes Limosilactobacillus reuteri DSM 17938 verdeutlicht er, dass der letzte Code den eigentlichen Stamm ausweist; fehle diese Angabe, fehle ein essenzielles Qualitätskriterium. Zudem spielten Alter, Dosierung und Lagerung eine wesentliche Rolle.

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Entscheidend sei bei der Auslobung lebender Mikroorganismen vor allem, ob der Hersteller die angegebene Keimzahl bis zum Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums oder lediglich zum Zeitpunkt der Herstellung garantiere.

Eine höhere Keimzahl sei für sich genommen kein Qualitätsmerkmal, vielmehr solle die Dosis jenen Werten entsprechen, die sich in klinischen Untersuchungen für den jeweiligen Zweck bewährt haben.

So umfasst die Forschung zum Stamm Limosilactobacillus reuteri laut Herstellerangaben des Produkts BioGaia Protectis über 290 klinische Studien mit mehr als 25.000 Teilnehmenden. Bei bestehenden Unsicherheiten sollten Patienten das Gespräch mit Apothekern oder dem Kinderarzt suchen.

Gezielter Einsatz während medizinischer Behandlungen

Auch der therapeutische Kontext bestimmt die Anforderungen an Zusammensetzung und Einnahmezeitpunkt. Dr. med. Andreas Niedenthal, Internist und Gastroenterologe am Magen-Darm Zentrum Darmstadt, verweist laut einem Bericht von lokalanzeiger.info vom 02.10.2026 darauf, dass über 38 Billionen Bakterien im menschlichen Darm leben.

Antibiotikatherapien bringen diese Darmflora häufig aus dem Gleichgewicht; etwa jeder zehnte Patient entwickelt infolgedessen eine Antibiotika-assoziierte Diarrhoe.

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Daher solle ein gezielter Darmaufbau mit ausgewählten Probiotika bereits ab dem ersten Behandlungstag mit Antibiotika beginnen. Für das rezeptfrei in Apotheken erhältliche Kapselpräparat Innovall AB+, das eine spezifische Kombination aus vier Lakto- und Bifidobakterienstämmen enthält, zeigten mehrere Studien bei einer Dosierung von einer Kapsel täglich eine Reduktion antibiotikabedingter Symptome wie Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall.

Potenzial fermentierter Lebensmittel für die Mikrobiomforschung

Über standardisierte Präparate hinaus steht auch die mikrobielle Vielfalt herkömmlicher Nahrungsmittel im wissenschaftlichen Fokus. Forschende der University of Pennsylvania und der Jeonbuk National University in Südkorea untersuchten die Wechselwirkungen fermentierter Lebensmittel mit dem oralen sowie dem intestinalen Mikrobiom, wie bzoeg.de am 02.10.2026 berichtete.

Pflanzliche Erzeugnisse wie Sauerkraut und Kimchi weisen ein komplexes Konsortium natürlich vorkommender Mikroorganismen und bioaktiver Metaboliten auf. Die ballaststoffreiche Struktur dieser Lebensmittel könnte die Mikroorganismen schützen und deren Verweildauer auf der Schleimhaut verlängern.

Hyun Koo von Penn Dental Medicine ordnete die Resultate dahingehend ein, dass fermentierte Lebensmittel gegenwärtig nicht als Therapieform zu verstehen seien. Das primäre Ziel bestehe darin, das Potenzial für eine künftige Präzisionsernährung zu erforschen.

Offen bleibe bislang, welche konkreten Mikroorganismen und Metaboliten ausschlaggebend sind, wie lange sie im Verdauungstrakt verbleiben und welche reproduzierbaren klinischen Effekte daraus resultieren.

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