Pflanzenbetonte Ernährung: Laut Forschern weltweit 15 Millionen Leben rettbar
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 22:54 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie weltweiten Ernährungsempfehlungen weisen trotz ähnlicher Zielsetzungen oft länderspezifische Unterschiede auf. Ein internationales Forscherteam unter Leitung von Prof. Karen Della Corte von der Brigham Young University in den USA hat in der Fachzeitschrift Advances in Nutrition eine internationale Ernährungspyramide vorgelegt.
Der wissenschaftliche Entwurf bündelt Empfehlungen aus verschiedenen Regionen und formuliert einen gemeinsamen Standard, der sich an modernen gesundheitlichen und ökologischen Erkenntnissen orientiert.
Wissenschaftlicher Konsens aus mehreren nationalen Leitlinien
Das Vorhaben vereint die Expertise von 22 führenden Ernährungswissenschaftlern aus Europa, Kanada, den USA und Australien, darunter auch Prof. Anette Buyken von der Universität Paderborn. Den Autoren zufolge entstand die Veröffentlichung vollständig ohne externe Förderung.
Als methodische Basis dienten dem Team die offiziellen Ernährungsempfehlungen aus sieben Ländern und Regionen: Kanada, Deutschland, Australien, China, den Niederlanden, den USA sowie den nordischen Ländern. Zudem flossen die Ergebnisse aus der Auswertung von mehr als 250 Fachpublikationen in das Modell ein.
Inhaltlich knüpft das Modell eng an das Konzept der Planetary Health Diet der EAT-Lancet-Kommission an. Wie Prof. Della Corte unter Verweis auf die Kommission betont, ließen sich durch die konsequente Umsetzung einer solchen pflanzenbetonten Ernährung weltweit rund 15 Millionen vorzeitige Todesfälle pro Jahr vermeiden.
Kernprinzipien und Fokus auf Qualität statt Verzicht
Das erarbeitete Modell stützt sich auf drei zentrale Säulen. Den breitesten Raum an der Basis nehmen pflanzliche Lebensmittel ein. Ergänzt wird dieses Fundament durch die Zufuhr hochwertiger Fette und Proteine sowie eine klare Priorisierung der Kohlenhydratqualität.
Die Pyramide sieht keinen vollständigen Verzicht auf tierische Produkte vor, sondern erlaubt weiterhin mageres tierisches Protein. Dennoch verschiebt sich der Schwerpunkt deutlich: Statt rotem und verarbeitetem Fleisch empfehlen die Wissenschaftler vorrangig Hülsenfrüchte, Nüsse, Geflügel, Fisch und Eier.
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Als Fettquellen stehen ungesättigte Pflanzenöle wie etwa Olivenöl im Vordergrund, während gesättigte Fette und raffinierter Zucker minimiert werden sollen. Bei den Kohlenhydraten liegt der Fokus auf der biologischen Qualität vor der reinen Quantität.
Hierbei spielen Faktoren wie der Ballaststoffgehalt, der Verarbeitungsgrad sowie ein günstiger glykämischer Index eine entscheidende Rolle, weshalb Vollkornprodukte gegenüber raffinierten Getreideerzeugnissen und zuckergesüßten Getränken bevorzugt werden.
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Divergierende Ansätze in der internationalen Ernährungsdebatte
Fachleute wie Laura Rossi vom Istituto Superiore di Sanità sehen in der neuen Struktur eine weitgehende Übereinstimmung mit traditionellen Ansätzen wie der mediterranen Ernährungspyramide, die ähnliche Prioritäten setzt.
Gleichzeitig verdeutlicht die internationale Vorlage bestehende Kontraste in der aktuellen Ernährungspolitik. So weichen beispielsweise die US-Ernährungsrichtlinien für den Zeitraum von 2025 bis 2030, die im Kontext der Agenda um Robert F. Kennedy Jr. diskutiert werden, spürbar von diesem Kurs ab.
Jene fünf Jahre gültigen US-Leitlinien heben tierische Proteine inklusive rotem Fleisch stärker hervor und stufen Fette wie Butter oder Rindertalg als bevorzugte Speisefette ein. Das Modell des internationalen Forscherteams positioniert sich dazu als Gegenentwurf, der auf eine globale Vereinheitlichung auf der Basis pflanzlicher und wenig verarbeiteter Nahrungsmittel abzielt.
