Demenzrisiko, Faktoren

Demenzrisiko: 45 Prozent sind beeinflussbar – diese Faktoren zählen

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 14:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien verbinden künstlerische Aktivitäten mit einem jüngeren Gehirnalter; Fachleute nennen zudem beeinflussbare Faktoren des Demenzrisikos.

Sprachkurse und kreative Hobbys fördern geistige Fitness im Alter
Heller, sonnendurchfluteter Seminarraum mit Sitzkreis und Bücherregalen in einem historischen Gebäude. Illustration mit AI erstellt.

Kognitive Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter zu erhalten, steht zunehmend im Mittelpunkt von Bildungsangeboten und gesundheitlichen Ratgebern. Volkshochschulen setzen verstärkt auf neue Sprachkurse, um ältere Menschen geistig zu aktivieren und soziale Teilhabe zu ermöglichen.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen und medizinische Fachvorträge unterstreichen, wie stark gezielte geistige Beschäftigungen und kreative Hobbys Alterungsprozesse im Gehirn verlangsamen können.

Volkshochschulen setzen auf Sprachangebote

Das Erlernen von Fremdsprachen gilt als wirksames Instrument, um mentale Reserven aufzubauen. Die Volkshochschule im Vogelsbergkreis startet nach den Herbstferien neun neue Sprachkurse. Das Programm unter Fachbereichsleiterin Monika Schenker umfasst unter anderem dreimal Italienisch, dreimal Englisch, Spanisch, Neugriechisch und Türkisch sowie Schwedisch, Niederländisch und Japanisch.

Die Einrichtung verzeichnete bereits vor der Corona-Pandemie Teilnehmerrückgänge, die unter anderem auf digitale Angebote und Sprach-Apps zurückzuführen waren. Präsenzkurse bieten jedoch zusätzlich soziale Interaktion, die für den Erhalt kognitiver Fähigkeiten eine zentrale Rolle spielt.

Auch andere Bildungsträger erweitern ihr Programm für die ältere Generation. So bietet die Musikschule Hannover ab November 2026 den Kurs „Im Alter fit – mit Bewegung und Musik“ an drei Standorten an, während die Volkshochschule Ludwigshafen in Kooperation mit dem Demenzverbund Ludwigshafen ab Ende Oktober 2026 eine dreiteilige Veranstaltungsreihe zum Umgang mit Demenz durchführt.

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Demenzrisiko durch Lebensstil beeinflussbar

Die medizinische Relevanz geistiger und körperlicher Aktivität betonte Elke Koling, Chefärztin der LWL-Tagesklinik Plettenberg, auf der dortigen Gesundheitsmesse. In ihrem Vortrag verwies sie darauf, dass 45 Prozent des Demenzrisikos beeinflussbar seien.

Zur wirksamen Prävention zählten neben körperlicher Bewegung, ausgewogener Ernährung und ausreichendem Schlaf vor allem soziale Kontakte sowie das Erlernen von Fremdsprachen.

Zu den wesentlichen Risikofaktoren gehörten starkes Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes und eine geringe Bildung. Als ein erstes mögliches Anzeichen einer Demenzerkrankung nannte die Medizinerin das Vergessen von PIN-Nummern.

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Künstlerische Hobbys verjüngen das Gehirn

Die positiven Effekte geistiger Forderung lassen sich auch neurobiologisch nachweisen. Ein internationales Forschungsteam aus 13 Ländern unter Beteiligung von Carlos Coronel von der Universidad Adolfo Ibáñez und Agustín Ibáñez vom Trinity College untersuchte Daten von fast 1.400 Personen mittels Magnetenzephalografie und Elektroenzephalografie. Die Forschenden analysierten die Hirnaktivität von Tango-Tänzern, Musikern, bildenden Künstlern sowie Gamern im Vergleich zu Nicht-Experten.

Den Ergebnissen zufolge wiesen Tango-Tänzer ein Gehirnalter auf, das mehr als sieben Jahre jünger als ihr chronologisches Alter war. Bei Musikern und bildenden Künstlern lag die Differenz bei etwa fünf bis sechs Jahren, bei Gamern bei rund vier Jahren. Ein Kurzzeitexperiment zeigte zudem, dass bereits 30 Stunden Training im Computerspiel StarCraft II das geschätzte Gehirnalter um zwei bis drei Jahre senkten.

Welche therapeutischen Potenziale kreative Aktivitäten besitzen, erforscht zudem die Universität Wien. Unter der Leitung der Psychologin Anja-Xiaoxing Cui untersucht das auf vier Jahre angelegte Projekt „Musik für das Gedächtnis“ an Teilnehmern über 65 Jahren in Österreich, Norwegen und Argentinien, ob regelmäßiges Singen und Einstudieren neuer Lieder die Gedächtnisleistung bei einer Alzheimer-Erkrankung stabilisieren kann.

Die Befunde verdeutlichen, dass Hobbys und strukturierte Kurse weit mehr als reine Freizeitbeschäftigung sind: Sie stellen einen messbaren Schutzfaktor für die geistige Gesundheit dar.

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