Bankentarif 2026: Gewerkschaft fordert bis zu zwölf Entlastungstage
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 15:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle Analysen untersuchen, wie der Einzug von künstlicher Intelligenz in betriebliche Prozesse neue Belastungen für Beschäftigte schafft und weshalb die erhoffte Entlastung durch Technologie mitunter in psychischer Überlastung mündet.
Zwar übernimmt künstliche Intelligenz zunehmend Routineaufgaben, erhöht laut Berichten der Deutschen Wirtschafts Nachrichten jedoch gleichzeitig den Anpassungsdruck.
Beschäftigte sehen sich dadurch gefordert, fortlaufend zu lernen, Entscheidungen zu treffen und sich neu zu orientieren. Der entsprechende Beitrag beschreibt sieben neue Belastungsrisiken und mahnt besondere Aufmerksamkeit von Führungskräften an.
Kognitive Risiken und gesundheitliche Folgen
Neben der Arbeitsorganisation geraten auch kognitive Aspekte in den Blick von Experten. Die Philosophin Sibylle Anderl warnt, dass digitale Helfer und künstliche Intelligenz Denkprozesse auslagern.
Langfristig könnten dadurch kognitive Fähigkeiten sowie das Erleben der eigenen Selbstwirksamkeit geschwächt werden. Sie verweist auf Untersuchungen, nach denen eine häufige Nutzung entsprechender Werkzeuge, etwa beim Verfassen von Texten, mit einer geringeren neuronalen Vernetzung sowie einer sinkenden Bereitschaft zu kognitiver Anstrengung einhergehe. Vor diesem Hintergrund plädiert Anderl dafür, kritisches Denken und eigenständige Entscheidungen zu bewahren.
Die gesundheitlichen Auswirkungen von Automatisierungstechnologien unterscheiden sich zudem je nach Berufsfeld. Eine gemeinsame Untersuchung des ifo Instituts, des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sowie der Universität Konstanz wertete repräsentative Betriebs- und Beschäftigtenbefragungen sowie Sozialversicherungsdaten aus den Jahren 2011 bis 2019 aus.
Bei überwiegend körperlich Beschäftigten ging eine stärkere Digitalisierung mit einem schlechteren Gesundheitszustand und im Durchschnitt mit rund 20 Prozent mehr krankheitsbedingten Fehltagen pro Jahr einher.
In Büro- und Wissensberufen zeigte die Untersuchung hingegen keinen nachweisbaren negativen Zusammenhang zwischen Digitalisierung und Gesundheit. Das in der Untersuchung betrachtete Spektrum umfasste unter anderem vernetzte Maschinen, Sensorik, Robotik sowie Virtual und Augmented Reality; die Ergebnisse lassen sich laut dem Bericht nicht unmittelbar auf generative oder agentische künstliche Intelligenz übertragen.
Gezielte Schulungen und ein unterstützender Führungsstil können den negativen Zusammenhang mildern, während höhere Löhne diese Effekte offenbar nicht ausgleichen.
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Tarifpolitische Reaktionen auf Arbeitsverdichtung
Die Folgen des Technologieeinsatzes erreichen auch die Tarifpolitik. Der Deutsche Bankangestellten-Verband (DBV) fordert in den Verhandlungen mit privaten Banken für Beschäftigte, die künstliche Intelligenz nutzen, bis zu drei zusätzliche freie Tage pro Quartal.
Die Freistellung soll von Art und Umfang der Arbeit mit den Systemen abhängen, maximal zwölf bezahlte Entlastungstage im Jahr umfassen und für Teilzeitkräfte anteilig gelten. Ein Übertrag in andere Quartale ist nicht vorgesehen. Zusätzlich verlangt die Gewerkschaft 9,5 Prozent mehr Gehalt über eine Laufzeit von 24 Monaten.
Der DBV begründet die Forderungen mit einer gestiegenen Arbeitsdichte, höherer Komplexität und mehr Verantwortung durch wachsende Fallzahlen sowie die notwendige Überprüfung automatisierter Ergebnisse. Die Automatisierung beseitige zwar Routinen, verdichte aber die verbleibende Arbeit.
Die Tarifgespräche für rund 150.000 Beschäftigte privater Banken beginnen im Oktober 2026; die Kriterien für die Zuteilung der Tage sind bislang offen. Arbeitgeberverbandschef Carsten Rogge-Strang lehnt zusätzliche Entlastungstage mit Verweis auf höhere Personalkosten sowie den automatisierungsbedingten Stellenabbau ab.
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Belastungen in der IT-Sicherheit und Weiterbildungsdefizite
Auch in spezialisierten Branchen verschärft sich die Situation. Laut dem aktuellen Branchenbericht von ISACA empfinden 72 Prozent der Cybersecurity-Fachleute ihre Arbeit als stressiger als noch vor fünf Jahren. Zugleich ergreifen 21 Prozent der befragten Unternehmen keine Maßnahmen gegen Burnout.
Während 54 Prozent der Fachleute in den kommenden zwölf Monaten einen Angriff auf ihr Unternehmen erwarten, nutzen 37 Prozent der Betriebe künstliche Intelligenz für die automatisierte Erkennung und Reaktion, 35 Prozent für Routineaufgaben und 29 Prozent für die Endpunktsicherheit.
Allerdings haben 71 Prozent der Organisationen keine Übungen zur Vorfallbewältigung mit künstlicher Intelligenz absolviert, und nur 3 Prozent verfügen über ausgereifte Ablaufpläne dafür.
Gleichzeitig herrscht Uneinigkeit über die Rolle der Technologie beim Einstieg in den Beruf: Rund 41 Prozent der Befragten einer Erhebung stimmten der Aussage zu, dass künstliche Intelligenz zunehmend Anfängeraufgaben übernehme, während rund 41 Prozent dies ablehnten und gut ein Sechstel unentschieden blieb.
Trotz der Veränderungen nutzten 43,9 Prozent der Befragten in den zwölf Monaten vor der Erhebung keine Arbeitszeit für entsprechende Weiterbildungen. Als Gründe nannten Personen ohne Weiterbildungszeit unter anderem fehlenden Bedarf, das Ausbleiben entsprechender Unternehmenswünsche, fehlende Angebote oder mangelnde Zeit.
