Alzheimer-Forschung: 127 DNA-Regionen liefern neue Hinweise auf Risiken
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 08:06 Uhr | Redaktion boerse-global.deRückblickende Publikationen anlässlich des 120-jährigen Jubiläums der Erstbeschreibung zeichnen die Entwicklung der Alzheimer-Forschung von den Anfängen der Neuropathologie bis zu aktuellen therapeutischen Ansätzen nach.
Am 3. November 1906 berichtete der deutsche Psychiater und Neuropathologe Alois Alzheimer erstmals über den Fall der Patientin Auguste Deter. Sie war am 8. April 1906 im Alter von 55 Jahren verstorben.
Bei der mikroskopischen Untersuchung ihres Gehirns wies Alzheimer mikroskopische Veränderungen nach, die später als Amyloid-Plaques und Neurofibrillenbündel klassifiziert wurden. Vier Jahre später, im Jahr 1910, prägte der Psychiater Emil Kraepelin den Begriff der Alzheimer-Krankheit.
Der Wandel vom Altersphänomen zur neurodegenerativen Erkrankung
Über Jahrzehnte hinweg galt die Erkrankung in der klinischen Praxis vor allem als seltenes Leiden des mittleren Alters. Dies änderte sich maßgeblich im Jahr 1976, als Robert Katzman die Alzheimer-Krankheit als die führende Ursache der senilen Demenz identifizierte.
Einen weiteren diagnostischen Standard setzte 1984 die Arbeitsgruppe NINCDS-ADRDA mit der Veröffentlichung einheitlicher Kriterien, während gleichzeitig das Peptid ?-Amyloid als Hauptbestandteil der Plaques genauer charakterisiert wurde.
Im Jahr 1993 markierte die Entdeckung der APOE-?4-Genvariante als bedeutsamer Risikofaktor einen wichtigen Schritt für das genetische Verständnis. Im selben Jahr erfolgte in den USA die Zulassung von Tacrin als erstem medikamentösen Wirkstoff gegen die Symptome.
Die Diagnostik erfuhr im Jahr 2004 mit der Einführung des PiB-PET-Verfahrens eine methodische Erweiterung, die es ermöglichte, Amyloid-Ablagerungen im lebenden Organismus sichtbar zu machen.
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Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit Stand von 2021 leben weltweit rund 57 Millionen Menschen mit einer Demenz, bei jährlich etwa 10 Millionen Neuerkrankungen. Die Alzheimer-Krankheit macht dabei 60 bis 70 Prozent aller Fälle aus.
Für das Jahr 2019 bezifferte die WHO die weltweiten Gesamtkosten auf 1,3 Billionen US-Dollar. Etwa die Hälfte dieser Summe entfällt auf informelle Pflegeleistungen, wobei Frauen rund 70 Prozent der gesamten Pflegezeit erbringen.
Fortschritte in Therapie, Genetik und Prävention
Die regulatorische Landschaft verzeichnete ab 2021 erneute Dynamik. Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA erteilte in jenem Jahr eine beschleunigte, wenngleich fachlich umstrittene Zulassung für Aducanumab. 2023 folgte die Zulassung von Lecanemab, 2024 die von Donanemab. Beide monoklonalen Antikörper zielen darauf ab, den kognitiven Abbau bei Betroffenen messbar zu verlangsamen, führen jedoch nicht zu einer Heilung.
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Eine begleitende Herausforderung bleibt das Auftreten von amyloidassoziierten Bildgebungsanomalien (ARIA), die mit Hirnödemen oder Mikroblutungen einhergehen können.
Gleichzeitig rückte die Prävention stärker in den Fokus. Die Lancet-Kommission benannte 2024 insgesamt 14 modifizierbare Risikofaktoren, die den Krankheitsverlauf oder das Ausbruchsrisiko beeinflussen können.
Ergänzt werden diese Erkenntnisse durch groß angelegte genetische Untersuchungen. Ein Team um Prof. Ole Andreassen am Universitätsspital Oslo und der Universität Oslo identifizierte in der Fachzeitschrift Nature im Rahmen des Psychiatric Genomics Consortium und unter Co-Leitung von Danielle Posthuma von der Vrije Universiteit Amsterdam 127 DNA-Regionen mit Alzheimer-Risiko, darunter 48 zuvor unbekannte Abschnitte.
Die Datenbasis umfasste rund 2,8 Millionen Personen, von denen 183.620 an Alzheimer erkrankt waren. Parallel dazu zeigte eine Konsortialanalyse unter Federführung von Emil Uffelmann am Center for Neurogenomics in Amsterdam anhand von 206 genomweiten Assoziationsstudien, dass die Erkrankung auf einem kombinierten Versagen neuronaler Netzwerke sowie des zerebralen Immunsystems beruht, und sprach sich für kombinierte Therapieansätze aus.
