Darmkrebsmonat, MĂ€rz

Darmkrebsmonat MĂ€rz: Forschung hilft / Mit Forschungsprojekten die Versorgung von Darmkrebspatienten verbessern

04.03.2024 - 12:24:17

Bonn - Darmkrebs ist mit jĂ€hrlich rund 55.000 Neuerkrankungen in Deutschland bei Frauen die zweithĂ€ufigste und bei MĂ€nnern die dritthĂ€ufigste Krebsart. Die gute Nachricht ist jedoch, dass die Sterblichkeit bei dieser Erkrankung seit Jahren kontinuierlich sinkt. FĂŒr diesen RĂŒckgang spielen neben dem Angebot von FrĂŒherkennungsuntersuchungen und einem gestiegenen Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung auch Fortschritte aus der Forschung fĂŒr Diagnose und Therapie eine Rolle. Zum Darmkrebsmonat MĂ€rz stellt die Deutsche Krebshilfe drei von ihr geförderte Forschungsprojekte vor, die darauf abzielen, die Versorgung von Darmkrebspatienten weiter zu verbessern.

KI ermöglicht eine genauere Diagnose

Ein Gemeinschaftsprojekt von Wissenschaftlern an den UniversitĂ€tskliniken und UniversitĂ€ten in Bonn, Dresden, DĂŒsseldorf, Heidelberg und Mainz, das von der Deutschen Krebshilfe mit 1,5 Millionen Euro gefördert wird, beschĂ€ftigt sich mit dem Einsatz von kĂŒnstlicher Intelligenz (KI) in der Diagnose von Darmkrebs. "Wir konnten bereits zeigen, dass sich mit Hilfe von KI gewisse Faktoren, die fĂŒr die Behandlung von Patienten von großer Bedeutung sind, vorhersagen lassen. Dazu gehören beispielsweise das Risiko fĂŒr einen RĂŒckfall der Erkrankung, die Immunantwort auf den Tumor und das Ansprechen auf eine Therapie", sagt Professor Dr. Jakob N. Kather, Leiter des Verbundprojektes "DECADE" und Professor fĂŒr Clinical Artificial Intelligence am Else Kröner Fresenius Zentrum fĂŒr Digitale Gesundheit der TU Dresden. Damit die KI in der Lage ist, solche Vorhersagen zu treffen, muss sie zuvor mit einer großen Menge an Patientendaten trainiert werden. Da strenge Datenschutzrichtlinien allerdings den Austausch solcher Daten verhindern, setzen die Wissenschaftler die Methode des "Schwarmlernens" ein. Dabei werden Patientendaten direkt an den jeweiligen Kliniken von einer KI ausgewertet. Nur die daraus resultierenden Ergebnisse, die keine RĂŒckschlĂŒsse auf personenbezogene Daten zulassen, werden daraufhin unter den Projektpartnern ausgetauscht und dafĂŒr verwendet, eine zentrale KI zu trainieren.

Neue Behandlungsmethode mit Viren

Bei einem Forschungsprojekt in Berlin geht es um den Einsatz von onkolytischen Viren in der Behandlung von Darmkrebs. Diese Viren haben die FĂ€higkeit, Krebszellen abzutöten, ohne dabei die umliegenden normalen Körperzellen zu beschĂ€digen, wie es bei einer Chemo- oder Strahlentherapie der Fall ist. Dr. Henry Fechner und sein Team an der Technischen UniversitĂ€t Berlin haben bereits herausgefunden, dass eine Variante des Coxsackie-Virus eine hohe onkolytische AktivitĂ€t bei Darmtumoren aufweist. Fechner betont aber, dass das allein fĂŒr eine erfolgreiche Therapie noch nicht ausreichend ist: "Bisher konnten wir nur selten eine vollstĂ€ndige Zerstörung der Tumore erreichen." Um die Wirksamkeit der Therapie mit onkolytischen Viren weiter zu steigern, untersuchen die Forscher nun zusammen mit der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Sophie van Linthout am Berliner Institut fĂŒr Gesundheitsforschung in der CharitĂ©, ob sie in Kombination mit einer Immuntherapie eingesetzt werden können. Die Deutsche Krebshilfe unterstĂŒtzt dieses Vorhaben mit rund 351.000 Euro.

Lassen sich Metastasen verhindern?

"Obwohl Metastasenbildung die hĂ€ufigste Todesursache von Krebspatienten ist, handelt es sich um den wohl am schlechtesten verstandenen Prozess der Tumorentwicklung", meint Dr. Tobias Reiff vom Institut fĂŒr Genetik der Heinrich-Heine-UniversitĂ€t DĂŒsseldorf. Reiff untersucht daher in einem mit rund 300.000 Euro von der Deutschen Krebshilfe geförderten Projekt mit seinem Team die Metastasenbildung bei Darmkrebs. Metastasen entstehen, wenn Zellen eines Tumors in eine andere Körperregion abwandern und dort neue Tumore bilden. Eine Schwierigkeit bei der Erforschung dieses Vorgangs ist jedoch, dass die Zellen innerhalb eines Tumors sich stark voneinander unterscheiden und nur ein Bruchteil der Zellen in der Lage ist, abzuwandern. Insbesondere diese Zellen scheinen jedoch oft gegen Krebstherapien resistent zu sein. Die Forschergruppe um Dr. Reiff hofft daher, mit diesem Projekt AnsĂ€tze fĂŒr die Entwicklung neuer Medikamente zu schaffen, die die Metastasenbildung unterbinden. Mit den geförderten Forschungsprojekten will die Deutsche Krebshilfe die Krebsmedizin bei einer der hĂ€ufigsten Krebsarten weiter voranbringen. "Innovationen aus der Forschung sind notwendig, um in den Bereichen der Diagnose und Therapie weitere Fortschritte zu erzielen und um die Heilungschancen von Darmkrebspatienten zu verbessern", so Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe.

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