Coronavirus: Ärzte warnen vor ungenügender Ausstattung von Krankenhäusern

31.01.2020 - 07:53:48

Angesichts der ersten Fälle von Ansteckungen mit dem Coronavirus warnen Ärzte in Deutschland vor einer ungenügenden Ausstattung der hiesigen Krankenhäuser.

Nachdem das Corona-Virus Deutschland erreicht hat, warnen deutsche Ärzte vor der mangelhaften Ausstattung der deutschen Krankenhäuser für den Fall einer Pandemie. Mit Stand Freitagmorgen (31.01.20) 08.00 Uhr gibt es in Deutschland fünf bestätigte Fälle von Infektionen in Bayern (alles Mitarbeiter der Firma Webasto), drei Verdachtsfällen in Nordrhein-Westfalen (zwei in Siegen, einer in Kamen, Landkreis Unna) sowie weltweit 9.692 Infektionen in 20 Ländern und 213 Todesopfer. In Bayern wurden inzwischen 90 Menschen unter Quarantäne gestellt. Möglicherweise sind sie aber nicht ausreichend zu isolieren. Optimal für die Quarantäne betroffener Patienten mit dem hochansteckenden Coronavirus wären nämlich Einzelzimmer mit Vorschleusen. Diese gibt es in deutschen Krankenhäusern aber zu selten – sie wurden aus Kostengründen ab den 2000er Jahren reduziert. Darauf verweist die Pandemie-Beauftragte der BÄK (Bundesärztekammer) Susanne Johna in einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Wenn der dringende Behandlungsbedarf weiter ansteige, wovon nach gegenwärtigem Entwicklungsstand auszugehen ist, würden auf den Intensivstationen sogenannte Einzelboxen benötigt. Nur diese könnten die Übertragungsgefahr minimieren, so Johna, die auch im Vorstand der BÄK sitzt und das deutsche Gesundheitswesen sehr genau kennt. Über Einzelboxen verfügen aber aus Kostengründen nur sehr wenige deutsche Kliniken, selbst in Neubauten sind sie rar. Die Patienten werden daher in Doppelboxen untergebracht, in denen das Ansteckungsrisiko allerdings deutlich höher ist, so die Expertin. Man wisse das auch schon sehr lange, doch spätestens jetzt sei ein Umdenken erforderlich – im Sinne der Allgemeinheit und betroffener Patienten. Johne sieht nicht nur Handlungsbedarf bei der Krankenhausausstattung. Sie bezeichnete den Coronavirus als Weckruf, der zur Stärkung des deutschen öffentlichen Gesundheitsdienstes führen müsse. Dieser sei vielerorts massiv unterbesetzt. Diese Aussage trifft Johna in ihrer (zusätzlichen) Rolle als Bundesvorsitzende des Marburger Bundes (deutsche Ärztegewerkschaft). In Deutschland fehle es an Ärzten und weiterem medizinischen Fachpersonal im öffentlichen Gesundheitsdienst. Dieser sei aber für die Eindämmung von Epidemien und Pandemien zuständig. Er übernehme die Rolle als Bindeglied zwischen allen am Szenario beteiligten Akteuren. Damit hat Johna recht. Nach einschlägiger Gesetzeslage praktisch aller Länder ist der öffentliche Gesundheitsdienst dafür zuständig, die Isolierung von infizierten Patienten und Verdachtsfällen zu überwachen – daheim und in Krankenhäusern. Auch verantwortet er die gesamte Meldekette. Nur mit dieser lassen sich neue Fälle schnellstmöglich feststellen, um auf sie reagieren zu können. Das betrifft auch die mögliche Entwicklung einer tatsächlichen Pandemie, also der länderübergreifenden Ausbreitung einer Infektionskrankheit. Davon ist beim Coronavirus auszugehen. Folgerichtig rief die WHO gestern (30.01.20) den internationalen Gesundheitsnotstand aus. Die Hygieneexpertin Johna verweist nun darauf, dass auch Deutschland bei einer weiteren Ausbreitung des Virus’ voraussichtlich nicht alle Patienten in einheimischen Krankenhäusern behandeln könne – je nach Fallzahlen. Inzwischen überprüfen die deutschen Kliniken ihre Ausbruchspläne und das Vorgehen bei Katastrophenszenarien – eine Maßnahme, die Johna als sinnvoll bezeichnete. Leider seien auch diese Krisensimulationen aus Kostengründen in der Vergangenheit zu selten durchgeführt worden. Johna forderte für die Zukunft ein regelmäßiges, pflichtgemäßes Training in allen deutschen Krankenhäusern. Gleichzeitig warnte sie vor Panik. Man müsse das Virus zwar sehr ernsthaft beobachten, doch es gäbe noch keine Bedrohungslage für die breite deutsche Bevölkerung.
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