100 Jahre nach den ersten Schritten auf den Markt ist beim Kamerahersteller Leica von der gegenwärtigen Krisenstimmung in der deutschen Wirtschaft wenig zu spüren.
27.02.2025 - 06:50:05Leica trotzt der Krise - Rekordumsatz und Smartphone-Pläne
"Ich sehe die Welt in großen weißen Flecken", sagte Leica-Investor und Aufsichtsratsvorsitzender Andreas Kaufmann der Deutschen Presse-Agentur.
Bestärkt durch einen Rekordumsatz plant er die Eröffnung weiterer Stores. Und auch auf dem Smartphone-Markt könnte es im Jubiläumsjahr Neuigkeiten von Leica geben. Drei neue Standorte plant die Leica Camera AG in Asien, und auch in Amerika und Deutschland soll der Vertrieb gestärkt werden. Der afrikanische Kontinent biete ebenfalls Chancen, ist Kaufmann überzeugt.
Smartphone mit Leica-Optik für europäischen Markt im Blick
Bei den Wachstumsplänen spielen auch Überlegungen für ein neues Smartphone mit Leica-Optik für den europäischen Markt eine Rolle. Bislang war das "Leitz Phone", für das Leica mit Sharp JP3359600008 zusammenarbeitete, exklusiv in Japan vermarktet worden. Nun könnte ein anderer Smartphone-Hersteller ins Boot geholt werden. Aktuell findet sich eine Leica-Optik in Flaggschiff-Modellen des chinesischen Smartphone-Anbieters Xiaomi.
Weltweit war der Absatz von Digitalkameras nach 2010 stark gesunken, zuletzt stiegen die Umsätze 2023 wieder nach GfK-Erhebungen auf knapp 9,5 Milliarden Euro. "Die meisten Menschen fotografieren heute hauptsächlich oder ausschließlich mit dem Smartphone", sagte eine Sprecherin des Branchenverbandes Bitkom. Diesen Trend will Leica für sich nutzen.
Nach einer Umfrage des Verbands nutzten 2023 rund 70 Prozent der Menschen hauptsächlich oder ausschließlich Smartphones für Urlaubsfotos, während nur zwölf Prozent Digitalkameras dafür verwendeten. "Digitalkameras werden vor allem von professionellen Fotografen, Künstlern und ambitionierten Hobbyfotografen genutzt, die gezielt Wert auf manuelle Einstellungen und eine höhere Bildqualität legen", heißt es bei Bitkom.
Auch langfristig erwartet der Verband in diesem Segment sinkende Verkaufszahlen in Deutschland. Wer weiter auf Digitalkameras setze, investiere aber in höherwertiges Equipment, was zu steigenden Durchschnittspreisen führe. Als Weltmarktführer im Geschäft mit Digitalkameras gilt nach dem Umsatz Canon JP3243200007, gefolgt von Sony JP3435000009 und Nikon JP3657400002.
"Ganz entspanntes Verhältnis" zu Investor Blackstone US09253U1088
Kaufmann setzt bei seinen Wachstumsplänen auf Rückenwind durch eine aufstrebende Mittelschicht in vielen Ländern sowie auf Innovationen. Größere Zukäufe oder ein Börsengang sind derzeit nicht in Sicht.
Der Österreicher hält 55 Prozent an der Leica Camera AG, die übrigen 45 Prozent gehören zur US-Investmentgesellschaft Blackstone, zu der man "ein ganz entspanntes Verhältnis, gerade zur strategischen Ausrichtung" habe.
Wiederholt hatte es Spekulationen gegeben, wann sich Blackstone wieder bei Leica zurückzieht. Kaufmann kommentiert das nicht, verweist aber auf den stark gewachsenen Unternehmenswert. Der 71-Jährige selbst wird in einiger Zeit das Unternehmen in die Hände seiner Kinder legen, die bereits im Management und in anderen Bereichen eingebunden sind.
Rekordumsatz in Sicht
Vor Kaufmanns Einstieg im Jahr 2006 war der Kamerahersteller mit damals rund 107 Millionen Euro Jahresumsatz in die Existenzkrise geraten - auch weil Leica spät größer in die Digitalfotografie einstieg. Kaufmann sanierte das Unternehmen und investierte viel Geld in einen Firmensitz mit Galerie, Hotel, Store, Produktions- und Verwaltungsgebäude, der Gäste aus aller Welt anzieht.
Zuletzt wuchsen die Erlöse von Leica im Geschäftsjahr 2023/24 um 14 Prozent auf 554 Millionen Euro. Im bis Ende März laufenden aktuellen Geschäftsjahr dürfte die Marke von 600 Millionen Euro überschritten werden. Ein Ergebnis nennt das Traditionsunternehmen mit weltweit rund 2.400 Beschäftigten nicht.
Marktstart der Kleinbildkamera revolutionierte Fotografie
"Ich entscheide hiermit: Es wird riskiert!" - mit diesem Satz hatte der Unternehmer Ernst Leitz II einst eine bis dahin kontrovers geführte interne Debatte um die Einführung eines neuen fotografischen Systems beendet und so den Weg geebnet für den Siegeszug der Kleinbildkamera.
Fotografien konnten nun dank der kleinen handlich-eleganten Apparate auf 35-Millimeter-Film gebannt werden, statt wie zuvor auf klobigen Plattenapparaten - ein Meilenstein für Schnappschüsse und für die Straßen- und Pressefotografie.
Erstmals vorgestellt wurde die Leica I auf der Leipziger Frühjahrsmesse Anfang März 1925 - seither dienten die Kameras aus Wetzlar vielen großen Fotografen wie Henri Cartier-Bresson oder Robert Capa als Werkzeug.
Eher ungünstig fürs Geschäft sei die Langlebigkeit auch der frühen Leica-Exemplare, sagt Kaufmann mit einem Augenzwinkern. Er selbst besitzt eine Leica mit der Produktionsnummer 7.815 aus dem Jahr 1928. So wie in diesem Fall lasse sich bei vielen der bis heute fast ausschließlich in Handarbeit gefertigten Fotoapparate nachvollziehen, wohin sie verkauft wurden.
Besonders seltene Stücke erzielen bei Auktionen teils Millionensummen. Zum Jubiläum, das nach dem Auftakt in Dubai auch in Städten wie Mailand, Shanghai, Tokio und New York sowie im Juni am Firmensitz in Wetzlar gefeiert wird, werden historische Stücke auf einer Auktion zum Verkauf stehen.